David Harnasch (Archiv) / 10.09.2012 / 21:09 / 0 / Seite ausdrucken

Wenn junge Menschen zuviel Judith Butler lesen…

Text einer leider inzwischen gelöschten Anzeige auf der Website wg-gesucht.de (womöglich steckte aber auch eine Castingagentur für ein schräges Reality-Format dahinter):

Hallo WG-Suchende,

für unsere 5köpfige WG suchen wir ab 10.09. oder 01.10. oder 01.11. eine_n langfristige_n Mitbewohner_in, die_der sich nicht cis-männlich positioniert; eine längere Zwischenmiete nach Vereinbarung wäre auch möglich.
Das Zimmer ist ca 12 qm groß. Wenn es dir sehr wichtig ist, in einem größeren Zimmer zu wohnen, wäre noch das 14qm Zimmer verhandelbar. Das freie Zimmer kostet mit allem drum und dran 235,- €. Wenn du in einer schwierigen finanziellen
Situation lebst, würde ein Teil von uns dich bei der Miete entlasten können. Wir bewohnen eine helle, leider nicht rollstuhl-barrierefreie, über 2 Ebenen verlaufende 5-Zimmer-Wohnung mit einer Wohnküche mit KochHalbinsel, gemütlicher Sofasitzecke, 2 Badezimmern, Hof mit Basketballplatz und einem kleine Kellerraum.

Wer wir sind: Wir verorten uns anarchistisch / linksradikal / (pro) queer-feministisch / anti-patriarchal und leben vegan. Auf struktureller Ebene sind wir alle unterschiedlich positioniert, d.h wir profitieren bzw. sind negativ von verschiedenen MachtStrukturen betroffen: hier wohnen sowohl weiblich als auch männlich erstsozialisierte Personen, einige haben einen Mittelklassebackground und andre haben Klassenwechsel erlebt. Eine Person ist negativ von Rassismus betroffen und die anderen drei sind weiß positioniert. Wir setzen uns alltäglich auseinander u.a mit Themen wie Privilegien, Support, Awareness, sensibles Miteinander, Gender - (queer) Feminismen, weißSein, Rassismus, Adultismus, Gewaltfreie Kommunikation etc. Jede_r von uns ist jeweils verschieden weit in den Themen drin und steckt in unterschiedlichen Prozessen.
Wir machen mind. 1 pro Woche einen WG-Abend/Plenum, bei dem wir uns Zeit nehmen emotionale, soziale, organisatorische und andere präsente Themen zu besprechen. Wir versuchen mitfühlend und bedürfnisorientiert miteinander umzugehen. Wir sitzen öfter in der WohnKüche rum, redend, kochend, essend und gehen öfter zu politisch-kritischen Veranstaltungen, denken über Aktionen und Interventionsmöglichkeiten nach.

Wir haben eine Gemeinschaftskasse für Essen usw. (0-10 € pro Woche, je nach deiner finanz. Situation) und gehen öfters containern.

Wen suchen wir? Wir suchen jemensch, die_der sich nicht cis-männlich positioniert, sich ähnlich verortet bzw sich für ähnliche Themen interessiert und ihre_seine Gedanken, Prozesse etc gerne mit anderen teilt, auch vegan lebt oder vegan leben möchte, keine fertige WG erwartet und die_der eher oft als selten in der WG wäre und dort öfter zusammen sein möchte. Wir suchen jemensch, die_der Positionen-aware ist und bei der_dem marginalisierte/unpriviligierte Perspektiven vorrangigen Raum bekommen. Perspektivisch möchten einige oder vlt auch alle von uns ein gemeinsames HausProjekt gründen. Wir sind schon auf der Suche, aber bisher erfolglos.
Joa soweit erstmal. Wenn es für dich soweit passend klingt, melde dich bei uns und wir schicken dir bei Bedarf eine noch etwas detailliertere Beschreibung von uns.
Da ganz viele Menschen e-Mails an uns schreiben mit Null Bezug zu unserem Gesuch, die es wahrscheinlich gar nicht durchlesen, möchten wir dich bitten, in deiner Anfrage irgendwo das Wort “kollektiv” unterzubringen.

Bis dahann, die 4

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